Bericht der Wormser Zeitung über unsere Monsheimer Kirche  - Serie "Mein schönstes Fleckchen"  
       
 

Ruhe-Oase mit Jugendstil-Optik -
Monsheimer Gästeführerin genießt Atmosphäre der evangelischen Kirche

Den Originalbericht finden Sie hier bei der Wormser Zeitung
Einen Film hierzu finden Sie ebenfalls bei der Wormser Zeitung


02.08.2013 - MONSHEIM
Von Claudia Wößner

„Eine Kirche ist ein besonderer Ort, eine Oase des Friedens, der Andacht und der Ruhe“, sagt Angelika Weber-Hausen. Konfessionen spielen für die Gästeführerin bei ihrem Streben nach innerer Einkehr aber keine Rolle. Denn sie, die Katholikin, fühlt sich an und in der evangelischen Kirche in Monsheim am wohlsten. „Das ist schon ein sehr schöner Ort, ein Kleinod“, erzählt Weber-Hausen lächelnd, als sie das parkähnliche Areal am Gotteshaus durchquert.


Erhaben thront die Kirche auf der kleinen Anhöhe
Erhaben thront die Kirche auf einer kleinen Anhöhe über der Hauptstraße. Stolz gibt die alte Dame die Schönheit ihrer Fassade preis, tagsüber im Sonnenschein, nachts im Licht von Strahlern. Doch ihre junge Kirchgarten-Tochter ist da weit schüchterner. Ihre Reize versteckt sie fast vollständig hinter einer Mauer. Nur wer von der Straße am Pfarrhaus vorbei die rund 20 Treppen hochgeht, entdeckt die Ruhe-Oase mitten im Ort. Eine Lebensader, die sich vorwiegend aus zwei Quellen speist: dem lauschigen Plätzchen vor dem Haupteingang und dem Kirchgarten. „Es ist das Gesamtpaket, das mir so sehr gefällt“, berichtet Angelika Weber-Hausen beim WZ-Besuch. „Es gibt so viele kleine Winkel, in denen es etwas zu entdecken gibt.“



Pracht im Doppelpack:
Die Monsheimer Gästeführerin Angelika Weber-Hausen zeigt im Altarraum der evangelischen Kirche die Jugendstilmalereien und die bunten Fenster.

Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin
 
 


Alles überragt die Kastanie, die vor dem Haupteingang steht. Bäume-Umarmen wird bei ihr sehr schwierig – zumindest allein. Dafür ist der Stamm zu gewaltig. Die Kastanie ist höher als der Kirchenbau, bis zur Spitze des Glockenturms sind es aber noch ein paar Meter. Vor allem an Hitze-Tagen ist der stattliche Baum der willkommene Schattenspender für Ruhesuchende, die es sich auf den drei Bänken in der Nähe des Haupteingangs gemütlich gemacht haben.


Wohlfühlen im Kirchgarten
Schöner Sitzen ist nur im Kirchgarten, ein paar Meter unterhalb des Gotteshauses, möglich. Ein Kreis aus Sandsteinquadern macht dort die kontemplative Atmosphäre perfekt. 16 Stück sind es an der Zahl, in der Mitte steht eine Buchsbaumkugel. Im Quader-Rund hat das Nachdenken seinen festen Platz. Kein ausladender Blütenprunk lenkt ab. Sparsam gesetzte Akzente bringen Struktur in den Garten und in die Kopf-Welt. Ein Minimalismus, der an Klostergärten erinnert.
Sukkulenten, Gräser, Sträucher und ganz viel Grün sind es, die den Verbindungsweg zwischen dem Kirchgarten und dem Kircheneingang säumen. Auf dem Pfad geht Angelika Weber-Hausen auch gerne mal abends nach getaner Arbeit mit ihrem Mann spazieren. Und manchmal, wenn die Gästeführerin wie beim WZ-Besuch einen Schlüssel für die Kirche hat, geht sie hinein – in einen Sakralbau, der in dieser Form eher ungewöhnlich ist. Die ursprüngliche Ost-West-Ausrichtung ist nicht mehr erhalten. Stattdessen steht der Altar im Süden, was es so kaum gibt. Und da, im Süden, existiert die Pracht, die der Betrachter beim ersten Kirchenbesuch erst einmal auf sich wirken lassen muss.

Jugendstilmalereien des Wormsers Fritz Muth
Die Jugendstilmalereien des Wormsers Fritz Muth aus den Jahren 1904/05 und die bunten Kirchenfenster von 1965 sind eine Augenweide. Ein Optik-Doppelpack, den es so erst seit der Jahrtausendwende gibt. Damals, im Jahr 2000, hat Restaurator Vitus Wurmdobler bei der Innenrenovierung die Jugendstilmalereien wieder freigelegt; während der Modernisierung in den 1960er-Jahren waren Muths schmucke Schätzchen offenbar nicht en vogue gewesen und verschwanden aus dem Kirchenbild – bis zur Renovierung.
Sehr viel über die Anfangsgeschichte des Kirchenbaus ist in Monsheim nicht bekannt. Bereits im 8. Jahrhundert, berichtet Weber-Hausen, könnte es ein Gotteshaus gegeben haben; 1496 sei erstmals eine Wehrkirche, dem Heiligen Georg geweiht, ausführlich beschrieben worden. 1904/05 erhielt der alte Kirchbau dann laut der Gästeführerin durch die Schaffung des Chorraums und den Anbau des nördlichen Seitenschiffs mit Vorhalle die gegenwärtige Form. Auf dem Weg ins 20. Jahrhundert haben sich rund um das Bauwerk auf dem Hügel kuriose Geschichten ereignet – 1708 etwa ist die Eingangstür von einem rabiaten katholischen Geistlichen mit einem Beil eingehauen worden, in einer Zeit als sich Protestanten und Katholiken die Kirche noch teilten und sich die beiden Parteien das Leben gegenseitig schwer machten.

Angelika Weber-Hausen hat ihre Freude an solchen Geschichten zum Schmunzeln. Die Frau vom Niederrhein, die seit über 20 Jahren im Wormser Land lebt, fühlt sich wohl in ihrer neuen Heimat – und weiß die Schätze im Wonnegau zu schätzen.


Infos
Führungen durch Monsheim und Kriegsheim bietet die IG Monsheim-Kriegsheimer Gästeführer an.
Gästeführer sind Michael Röhrenbeck, Iris Merkel, Steffi Graf, Peter Kleifkes, Kerstin Aßmann-Weinlich und Angelika Weber-Hausen.

Weitere Informationen gibt es bei der Touristinfo Monsheim unter Telefon 0 62 43 / 18 09 16.

 
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