Mehr Männer in Kitas  - Dekanat 11.12.2012

 
 

 

 

Evangelische Kindertagesstätten in Rheinhessen setzen sich für mehr Erzieher ein

 

Uwe Streicher ist ein ganz besonderes Exemplar von einem Mann: Er gehört zu den wenigen Erziehern, die in einer Kindertagesstätte arbeiten. Im Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sind gerade mal drei Prozent der Stellen in Kitas mit Männern besetzt. Daher hat die hessen-nassauische Landeskirche das Modellprojekt „Mehr Männer in Kitas“ ins Leben gerufen, das mit verschiedenen Aktionen versucht, den Beruf für das starke Geschlecht interessanter zu machen. Der evangelische Kindergarten Hohen-Sülzen, der von Uwe Streicher geleitet wird, ist eine der Kitas, die an diesem Projekt teilnehmen. Die Kinder dort bekamen vom Nikolaus ein besonderes Präsent: ein kleines Bilderbuch mit dem Titel „Mein Onkel Malte, der ist Erzieher.“

Nachdem der Nikolaus jedem Kind einen kleinen Sack mit Gaben überreicht hatte, las Uwe Streicher den größeren Kindern aus diesem Buch vor. Darin geht es um den kleinen Paul, dessen Onkel Malte als Erzieher im Kindergarten arbeitet und ihm zeigt, was dort so alles gemacht wird. Paul erlebt mit, wie sein Onkel mit den Kindern spielt, ihnen beim Anziehen hilft und das gemeinsame Essen zubereitet. Das Besondere an dem Buch ist, dass es nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger wackelt, sondern die Arbeit eines männlichen Erziehers als völlig normal darstellt.

Genau dies ist für Uwe Streicher einer der wichtigen Faktoren. „Es gibt immer wieder Männer, die der Erzieherberuf interessieren würde, die sich aber nicht trauen, weil sie negative Reaktionen aus ihrem Umfeld befürchteten“, so Streichers Erfahrung. Es herrsche bei vielen immer noch die vorgefasste Meinung, dass das kein Beruf für Männer sei. Eine weitere Hemmschwelle ist der „Generalverdacht“, dem sich Männer in Kitas immer wieder ausgesetzt sehen. „Es besteht gerade von Elternseite manchmal die Befürchtung, dass ein Mann eine solche Stelle annimmt, um leichter an Kinder heranzukommen“, erklärt der Kindergarten-Leiter. Der Umgang damit sei nicht einfach, deshalb wird es auch von der in diesem Jahr gegründeten AG „Männer in Kitas Rheinhessen“ aufgegriffen und thematisiert. Generell hat sich schon länger die Erkenntnis durchgesetzt, dass es für die Entwicklung von Kindern zuträglich ist, wenn in einem Kindergarten Bezugspersonen von beiden Geschlechtern zur Verfügung stehen. Doch bis diese Erkenntnis in allen Kitas wirklich umgesetzt werden kann, muss noch viel getan werden, findet Streicher. Solche Aktionen wie am Nikolaustag bewertet er als einen wichtigen Baustein auf diesem Weg.

Das Modellprogramm „Mehr Männer in Kitas“ wird in 13 Bundesländern durchgeführt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union mit 13 Millionen Euro gefördert. Deutschlandweit sind 1.300 Kitas beteiligt, im Modellprojekt der EKHN engagieren sich 37 Kitas, in Rheinhessen sind 6 mit an Bord.