Seniorenausflug Mai 2006 - von Hans Orlemann

 
 

 

Seniorenausflug der evangelischen Kirchengemeinden

Monsheim, Kriegsheim und Hohen Sülzen am 03. Mai 2006.

„Der Mai ist gekommen“ - und frei nach Emanuel Geibel zog es die Senioren der drei Kirchengemeinden - „in die weite, weite Welt hinaus“.

Es war zwar nicht die ganze weite Welt, aber unter der bewährten Leitung von Herrn Alfred Ochs ging die Busfahrt diesmal kreuz und quer durch „Rheinhessen“, wie das fruchtbare Gebiet im Rheinbogen zwischen Bingen, Mainz, Worms und Alzey von 1815 bis 1945 hieß und heute noch gerne so genannt wird.

Mit dabei war Pfarrer Volker Hudel, der zuständige Seelsorger für die drei Gemeinden.

In Spiesheim verließ der Bus die Landstraße, um auf einem schmalen Weg zu einem Hügel zu gelangen, wo der 1998 errichtete, weithin sichtbare „Weinbergsturm“ der schönen Weinbergslandschaft einen besonderen Akzent gibt.

An diesem Weinbergsturm fand eine liturgische Morgenfeier, unter Mitwirkung aller Anwesenden, statt.

Unter musikalischer Begleitung von Frau Hannelore Müller am Keyboard und Herrn Heinz Joswig am Akkordeon, sang die Gemeinde „Großer Gott, wir loben dich“ und  „geh' aus mein Herz und suche Freud '“.

Zum Abschluss wurde der Segen: „Gott segne uns. Gott halte uns fest in der Fürsorge des Geistes und führe unsere Leben in Liebe“ gesprochen.

Bevor die Reise nach Norden weiter ging, und das Wetter so schön frühlingshaft war, die Maisonne schien und die Stimmung der Leute so gut war, wurde, unter der bewährten musikalischen Begleitung das Lied „Der Mai ist gekommen“ angestimmt. 

Durch das schöne und abwechslungsreiche rheinhessische Hügelland gelangte der Bus nach Ingelheim, wo zunächst einmal eingekehrt wurde. Im Restaurant „Rheinkrone“ konnte man sich für die zweite Hälfte des Tages stärken. Danach zeigte Herr Joswig sein musikalisches Talent und viele der Anwesenden sangen fröhlich mit.

Ingelheim am Rhein ist eine Stadt mit 26500 Einwohnern. Bekannt ist Ingelheim durch seinen Obst-, Spargel- und Weinanbau (Rotweinstadt), doch vor allem durch seine chemische Industrie.

Doch ganz besonders interessant ist die Geschichte der Stadt, wobei das dominierendste das Kaiserpfalzgebiet sein dürfte, wo die Reste karolingischer Bauten zu sehen sind.

Ein Fremdenführer erklärte dem staunenden Publikum gekonnt und mit großem Fachwissen die Geschichte der Kaiserpfalz und die steinernen Zeugen einer großen Vergangenheit.

Im Besucherzentrum und Museum ist der wohl spektakulärste archäologische Fund, eine Goldmünze mit dem Kaiserbild Karls des Großen ausgestellt. Sie wurde 1996 bei Ausgrabungen gefunden und gilt als die einzig bekannte Goldmünze Karls des Großen.

In der Karolingerstraße ist der einstige Kaiserpfalzgrundriss im Straßenpflaster ablesbar. Innerhalb der rot gepflasterten Fahrbahn markieren blauschwarze Basaltsteine den Verlauf der Fundamente.

Gegenüber des Westportals der Saalkirche führt ein Abzweig der Karolingerstraße in das Gelände der Aula regia. (8. Jh.)

Die Aula regia ist ein großer einschiffiger Rechtecksaal mit seitlichen Portalen und dem Hauptzugang auf der Nordseite, dem ein Narthex (Vorhalle) vorgelagert war. Von der kostbaren Innenausstattung wurden 3000 Fragmente des mehrfarbig bemalten Wandputzes gefunden.

Die Kaiserpfalz, mehrfach umgebaut, erweitert und auch befestigt wurde im Frühmittelalter  öfters von Karl dem Großen bewohnt.

Einhard, dem fränkischen Gelehrten und Biograf Karls des Großen, (viele Senioren bekannt vom Seniorenausflug nach Seligenstadt,  im Jahr 2004) begegnet man auch in Ingelheim, in der „Vita Karoli Magni“. 

Im Hochmittelalter, (10. – 12. Jh.) unter ottonischer Herrschaft wurde die Kaiserpfalz Ingelheim mit 10 Aufenthalte Ottos I. bevorzugt aufgesucht. Auch Otto III. ist häufig in Ingelheim gewesen.

Im Spätmittelalter, (12. – 14. Jh.) weilte der Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa an diesem Ort. Es gäbe noch mehr zu berichten über die Kaiserpfalz, doch das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

Ein berühmter Sohn hat Ingelheim hervorgebracht: Sebastian Münster, geboren 1489 in Ingelheim, gestorben 1552 in Basel. Er war Theologe und Kosmograf. Sebastian Münster war der Verfasser der 1. deutschen Länderkunde (Cosmographia universalis).

Das alles lernten die aufmerksamen Senioren von dem Fremdenführer der Stadt Ingelheim.

Von 01. 05. bis 09. 07. 2006 finden die „Internationale Tage“ in Ingelheim statt. Es werden 120 Werke, (Gemälde, Grafiken und Fotografien) aus allen Schaffensperioden des Künstlers Andy Warhol, unter dem Titel: Me, Myself and I gezeigt.

Dank des Chemiewerks Boehringer ist Ingelheim eine sehr wohlhabende Stadt und es wird sch lohnen, wieder einmal Ingelheim zu besuchen.

Doch irgendwann musste auch wieder die Heimreise angetreten werden. Wieder ging es über Landstraßen durch das schöne Rheinhessen und viele Mitfahrer sahen diese Gegend zum ersten Mal, obwohl sie in einer geringen Entfernung zu Monsheim liegt.

Nach einem „erfrischenden“ Aufenthalt in Westhofen kam der Bus wohlbehalten in Monsheim, Kriegsheim und Hohen Sülzen an.

Mit Freude werden alle Senioren an diesen schönen Tag zurückdenken und ihn lange in Erinnerung behalten.

H.O.