Ein Wort zu Beginn des neuen Kirchenjahres

 
 

 

Liebe Gemeinde,

man müsste einen Kalender haben, in dem die Zeit nicht vergeht. Denn wie sehr leiden wir darunter, dass sie Zeit so schnell vergeht und mit ihr alles, was schön und wichtig ist. Deshalb müsste es einen Kalender geben, den man am Ende des Jahres nicht einfach wegwirft, sondern der wieder von vorne beginnt.

So was gibt es nicht, sagen viele. Ich sage: So was gibt es doch! Es gibt einen Kalender, in dem die Zeit nicht vergeht. Er beginnt vorne, mit der Zeit des Advents. Es folgen Weihnachten und die Wochen der Erscheinung Jesu, die Epiphaniaszeit. Dann wird es ernster. Mit dem Aschermittwoch beginnt nämlich die lange Zeit der Erinnerung an Schmerzen und Leid, die Passionszeit, die auch Fastenzeit ist.

Erst dann strahlt der Kalender wieder und freut sich über Ostern, die Osterzeit, die Konfirmation und das fröhliche Pfingstfest. Im Sommer und Herbst wird etwas zurückhaltender gefeiert – bis dann nach Erntedank und Reformation der ganz stille  und oft traurige November kommt, der zwar manchmal weh tut, aber mir zugleich helfen will, dass ich mich nicht im Spaß verliere. Deshalb sind auch Volkstrauertag und Totensonntag so wichtige Tage.

Der Kalender, den ich meine, heißt Kirchenjahr. Er beginnt immer wieder von Neuen. Man kann ihn nicht an die Wand hängen, denn wir alle tragen ihn im Herzen. Die Zeit im Kirchenjahr vergeht nicht, sondern wiederholt sich. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Das Kirchenjahr zählt nicht unsere Tage, sondern die Zeit Gottes. Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit. Sie ist ewig. Der Kalender im Herzen bleibt mir auch dann, wenn alle Terminkalender längst abgelaufen sind.

 

Es grüßt sie herzlich zum neuen Kirchenjahr

Ihr Pfarrer

Volker Hudel

 

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